Kochen können wollen

Eigentlich wollte ich heute nur das Küchentagebuch abhaken und einen internetfreien Tag nehmen. Aber dann ist mir am Rande der Diskussion um Schweinchen, regionale Anbieter und Bio-Anbau (für die ich übrigens sehr dankbar bin, immerhin hab ich es dadurch geschafft, den Verband “Regionale Esskultur Lüneburger Heide” zu finden) ein kleines österreichisches Missverständnis aufgefallen, das sich (wohl schon etwas länger) um das “Kochen können” dreht.

Katha Esskultur behauptet – frei paraphrasiert – dass heute niemand mehr kochen kann, und EnteGut beharrt darauf, dass jeder, der lesen kann, auch  kochen kann – und beharren kann sie gut. (Teile der Diskussion u. a. nachzulesen bei den Kommentaren (ziemlich weit unten) zu 0,007 prozent).

Als König Salomon eigne ich mich nun gar nicht und ich bin auch nicht anmaßend genug, zu entscheiden, wer recht hat, weil wahrscheinlich sind es beide oder keine oder halb und halb. Aber ich würde mir von den beiden wünschen, das mal in einem eigenen Post zur Diskussion zu stellen – ich wär gespannt auf die Meinungen.

Festzuhalten wäre aber: Es gibt Menschen, die wollen nicht kochen; und diese wären noch einmal zu unterscheiden in solche, die auch nicht essen wollen und – na ja: die anderen. Die anderen sind die, die zwar schon die eine oder andere Leibspeise haben und manche Leckerei und manchen Tropfen zu goutieren wissen, die aber wahrscheinlich jemanden gefunden haben, der ihnen das Kochen abnimmt, weil sie das Schnippeln nervt und weil andere das viel besser können. Das leuchtet ein – zumindest teilweise. Interessant wäre allenfalls deren Entscheidung, wenn dieser “jemand” ausfiele und sie vor die Wahl gestellt würden: Kochen oder Schweinefraß?

Blieben noch die, die nicht essen wollen (oder können) und (deshalb) auch nicht kochen wollen (oder können). Denen der ganze Akt der Nahrungsaufnahme ziemlich schnuppe ist und die ihn nichtmal im Traum mit Genuss in Verbindung brächten. Von dieser Gruppe, so vermute ich, redet Katha und ist ein wenig verzweifelt, weil sie vermutet/beobachtet zu haben glaubt, dass diese Gruppe immer mehr wächst. Und deshalb hat Katha recht!

Die Ente aber meint die noch nicht erwähnte Gruppe, die beides wollen, Essen und Kochen, aber letzteres nicht auf die Reihe zu kriegen meinen. Und hat natürlich auch recht (jetzt mach ich doch den Salomon) – man braucht diese Gruppe eigentlich nur zu ermuntern, der Rest kommt dann ganz von selbst.

Ich aber würde gerne die Katha-Gruppe besser verstehen. Nicht weil ich sie missionieren will, so was versuche ich immer weitgehend zu vermeiden. Sondern weil ich sie dafür verantwortlich mache, dass die Tiefkühl-Regale immer länger werden und die Fertiggerichte-Stapel immer neuen Zulauf erhalten und die Lebensmittelindustrie immer neue Verbesserungen hervorbringt und deshalb ganze Blogger-Kolonnen logenartig Adressen von Essbarem wie Geheimtipps austauschen müssen. Hatten diese Menschen denn keine Großmutter, aus deren Küche es so herrlich gerochen hat, wenn sie aus der Schule kamen? Ich bin kein Soziologe und ich sehe – aus mehreren Gründen – beim Zerfall der Großfamilie gerne auch die guten Seiten, aber ich werde es zumindest in diesem Leben nicht mehr begreifen, dass das Wort “Genuss” immer weniger auf Gegenliebe stößt.

Das Küchentagebuch:

Und warum?

  • Im Garten wachsen Schmorgurken, die mir ein Nachbar zur Einweihung des Gartens geschenkt hat. Ich hab noch nie Schmorgurken gegessen – laut meine Mutter auch nicht als Kind. Einen Versuch ist es Wert.
  • Ich hab beim Einkaufen den Nachtisch vergessen. Unverzeihlich. Aber die Zutaten für Schoko-Pudding sind immer im Haus.

Fazit

  • Schmand und Senf waren eine gute Wahl. Wenn mir nichts anderes einfällt, kann es das mit den restlichen Gurken nochmal geben.
  • Erstaunlich: das Rezept ist für 4 Personen. Wir sind nur drei. Und trotzdem war meine Portion relativ klein?