Artikel publiziert im Dezember, 2011

Rückblicks-Reue

Es tut mir so leid. Dass ich im August angefangen habe zu bloggen. Und damit Menschen verärgert oder gar verletzt oder geschädigt habe. Natürlich ohne es zu wissen und ohne es zu wollen. Ich hätte es sonst nicht gemacht. Sicher nicht.

Ich hab mir ja überhaupt keine Gedanken gemacht. Einfach losgelegt. Gut, dass ich nicht kochen kann und nicht fotografieren und auch nicht richtig schreiben, das hat mir schon ein wenig zu denken gegeben. Aber hey, wer kann das schon? Und was macht das schon? Braucht ja keiner zu lesen.

Aber dann. Dann habe ich über Zwetschgen-Marmelade geschrieben, natürlich mit Haut. Weil ohne Haut ist ja öde, das geht ja gar nicht. Und dann saß ein paar Tage später irgendwo auf der Welt ein Mensch, Mann oder Frau, wahrscheinlich abends, nur mit Schummerlicht vor seinem hell erleuchteten Bildschirm und rückte die Tastatur zurecht, um das Google-Orakel mit seiner Frage zu füttern: “zwetschgenmarmelade ohne haut“.

Und was macht Google? Schickt ihn zu den Tischgesprächen, auf exakt diese Seite, auf der erklärt wird, warum Zwetschgenmarmelade ohne Haut eine ganz schlechte Idee ist. Dumm gelaufen, könnte man denken; es könnte aber auch eine Tragödie dahinter stecken.

Wenn zum Beispiel beim Abendessen der Ehemann schlechte Laune hatte und im Laufe der Dinge dann zu allem anderen seiner Ehefrau auch noch hinterherrief, dass sie ja noch nicht mal ordentliche Zwetschgenmarmelade machen könne, da seien ja in ihrer Pampe immer so komische Hautfetzen drin! In diesem Falle könnte doch diese Ehefrau geknickt, aber reumütig und einsichtig, Google gefragt haben, um ihrem Göttergatten, den sie doch trotz allem ziemlich lieb hat, einen Gefallen zu tun und in Herrgottsnamen halt mal eine Marmelade ohne Haut zu machen. Und dann liest sie das bei den Tischgesprächen und kommt prompt ins Grübeln: Ich bin also nicht allein, denkt sie. Da sind auch noch andere, die gerne Haut im Gsälz mögen, vielleicht sogar die Mehrheit. Wahrscheinlich sogar alle, außer ihrem verblödeten Eduard, der ja von nix keine Ahnung nicht hat und noch nie hatte – ihre Mutter hatte sie schon immer vor ihm gewarnt. Und rennt – wieder aufgebracht und kampfeslustig – zurück ins Wohnzimmer, wo ihr Eduard bei einem Bier vor der Glotze sitzt. Und sagt es ihm. Alles. Auch dass er sich sein blödes hautloses Gsälz in den Hintern schieben soll, und dass sie keinen Bock mehr hat, sich von einem kulinarischen Hinterwäldler auf den Nerven rumtrampeln zu lassen. Und sie fahre jetzt mit den Kindern  zu ihrer Mutter. Und ist wahrscheinlich inzwischen schon geschieden – und ich bin schuld. Es tut mir so leid.

Oder die Geschichte mit den Eicheln. Ich hab doch angesichts eines riesigen Baumes im Hof nur die Frage gestellt, ob man die Eicheln wenigstens essen kann, wenn sie schon in dieser großen Zahl im Hof rumliegen. Nur eine Frage. Aber Heerscharen von Menschen scheint das auch umzutreiben. Weshalb sie “eicheln essen” oder “was passiert wenn man eicheln essen” eintippen, nur um dann zu erfahren, dass irgend so ein Klugscheißer das Maul aufreißen muss, es aber auch nicht weiß. Leute, wenn ich das geahnt hätte, hätte ich doch vorher recherchiert! Es tut mir leid.

Tja, und dann das Weihnachtsrätsel. Warum bin ich Volltrottel nicht von alleine auf die Idee gekommen, dass an Weihnachten der ganzen Welt langweilig ist. Und sie dann halt mal bei Google nach einem “weihnachtsrätsel” (auch “weinachtsrätzle“) suchen. Liegt doch auf der Hand. Hätte ich doch wissen müssen, und nicht aberhunderte auf eine völlig rätselfreie und humorlose Seite locken dürfen. Es tut mir so leid. Ich mach es bestimmt nächstes Jahr nicht wieder.

Andererseits: ein oder zwei Leuten konnte ich wohl auch helfen. Bei “magenbrot kauf wo” kann man hier nämlich die Antwort nachlesen: selber machen! Das tut mir nicht leid. Ob ich bei “kritischer punkt wasser” hilfreich sein konnte, ist mir nicht ganz klar. Und an “salzmandeln + verdauungsbeschwerden” kann ich mich zumindest nicht mehr erinnern. Bei “saufen ersetzt” ist mir zwar die Frage nicht ganz klar, aber ich könnte mir schon vorstellen, dass ich dazu was geschrieben habe oder demnächst ein paar Worte dazu  zu sagen habe. Und es würde mich schon interessieren, wo der Fragende bei “sensationeller nachtisch” gelandet ist, das such ich nämlich auch immer. Ganz sicher fündig geworden ist auch der Google-Benutzer mit der bescheidenen Frage nach “ein rezept von alfons schuhbeck” – da gibt es schon das eine oder andere.

Aber zurück zu all den anderen, den Enttäuschten und den Fehlgeleiteten. Es tut mir wirklich leid.

Schatzgräber

Es gab im gerade vergehenden Jahr tatsächlich einige Tage, an denen nicht mehr als – sagen wir mal – hundert oder hundertfünfzig Rezepte im Feedreader waren.

An solchen Tagen ist guter Rat teuer: Was essen? Ins Restaurant gehen? Ist meist enttäuschend. Sich selber was einfallen lassen? Au Mann, auch das noch.

Andererseits ist an solchen Tagen auch eine gute Möglichkeit, der schnelllebigen Welt ein Schnippchen zu schlagen. Die meisten Blogs haben nämlich nicht nur die Homepage mit dem dernier cri, sondern auch ein Archiv. Teilweise mit furchtbar vielen Jahren und fast immer 12 Monaten mit oftmals an die zwanzig Posts. Wer will, kann das jetzt mal ausrechnen – ich warte solange …

… das sind ganz schön viele, oder? Und es kommt noch besser: kaum stöbert man ein bisschen, schon tauchen da wahre Schätze auf – normalerweise vergraben unter meterdicken Staubschichten – hab ich das Wort “schnelllebig” schon erwähnt?

Und wenn dann einer dieser Tage kommt, an denen man denken könnte, der Feedreader müsste mal wieder zur Inspektion, da kann doch was nicht stimmen, dann mach ich den Indiana Jones. Zieh meinen Raiders Style Hut auf, schlüpfe in die Tony Nowack Jacke, schnapp mir die Bullenpeitsche und – tauche mit verwegenem Blick ganz tief ein in die Archive.

Kann ich nur empfehlen. Und rechtzeitig zum Jahres-Ende (Rückblick all überall) ist hier meine Liste mit den Top 4 Schätzchen, gefunden 2011:

Die Kategorie Hauptspeise teilen sich Robert und Frau L. (hoffentlich einvernehmlich).

Robert macht für uns “Filetto di maiale al aceto balsamico” (zuerst im Mai 2007, dann erneut im Juni 2010). Ich habs im Februar entdeckt, gerade rechtzeitig zum selbst gemachten Kalbs-Jus, und war und bin immer noch begeistert. Unaufwändig und entspannt in der Zubereitung (auch für Gäste), absolut gelingsicher und ein hocharomatischer Genuss – jedes Mal.

 

 

Während Frau L. es schafft, mit ihren “Ravioli pasticciati” (Oktober 2008) auch Resteküche zu einem wohlschmeckenden Ereignis zu machen, oder – wie Robert es ausdrückt – “dicke, mehlig-pappige Ravioli geniessbar zu machen”. Mir kam es im Juni wie gerufen, als plötzlich die Schwägerin auftauchte und nur ein paar übrige Maultaschen greifbar waren. Die Tomaten waren schon rot, aber … Ist aber (fast) egal, weil durch das “Confieren” auch rote Plastikbälle Geschmack annehmen und zusammen mit dem Käse, den Semmelbröseln und dem (Halb-)Rahm übrige Teigwaren hervorragend aufpeppen.

In der Kategorie Nützliches tummelt sich – wer sonst – Steph.

Dem “Knoblauch-Confit” (Juni 2010) habe ich um ehrlich zu sein, nicht allzuviel zugetraut. Aber Skepsis hin, Skepsis her, als ich im August viel zu viel wunderbaren Knoblauch nach Hause gebracht habe, wars einen Versuch wert. Und das war es! Als ich es jetzt zum ersten Mal probiert habe, musste ich zugeben: Deutlich besser als die vertrockneten, schrumpeligen Knollen vom Markt.

In der Kategorie Dessert findet sich ein Schätzchen von Johannes:

Die “Karamellbirnen Vincent Klink mit Vanilleeis” (vom Oktober 2010) sind definitiv wert, nachgekocht zu werden. Leider erst im Dezember gefunden, aber heutzutage endet die Birnensaison ja nicht so schnell. Apropos Birnen: man sollte den guten Rat von Johannes befolgen und die Birnen rechtzeitig kaufen, damit man sie noch nachreifen lassen kann. Mit harten Birnen gehts nämlich definitiv nicht, aber ansonsten kein bei der Gewürzorgie nichts schief gehen.

 

 

 

Weihnachtsrätsel

In die folgende kleine beschauliche Weihnachtsgeschichte

“Mamaaaa! Weihnachtseier suchen macht überhaupt keinen Spaß, wenn Onkel Google alles verrät!”

haben sich ein paar Fehler eingeschlichen. Welche?

Einsendeschluss ist der 21.12.2012

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Quellen

 Regionale Esskultur Lüneburger Heide