Artikel publiziert im Oktober, 2010

Tiefkühlpizza

Die Tiefkühlpizza scheint 25 Jahre alt zu werden. Keine Angst, dies wird keine Suade über Analogkäse, Nährwerte und die Verbrechen der Lebensmittelindustrie. Es geht mir nur um das Warum.

Warum nur funktioniert das? Und nicht nur in Deutschland. Italiener kaufen Dr. Oetker-Pizzen zuhauf! Okay, meist nur die Margherita, zum Selbstbelegen, aber immerhin: Italiener! Im Mutterland der Pizza! Es ist mir ein Rätsel und wird mir ein Rätsel bleiben.

Früher habe ich immer gesagt, Pizza isst man beim Italiener um die Ecke, die macht man nicht selbst. Erstens, weil es gar nicht ging mit den mageren 190° im Backofen und zweitens, weil man sich den (Pizza-)Italiener eigentlich immer leisten konnte. Also gings zum Pizzaessen um die Ecke und zuhause gabs Maultaschen, weil’s das sonst nirgends gab (oder zumindest – aber besser wir reden nicht drüber. Merke: Streite nie! mit einem Schwaben über Maultaschen und schon gar nicht über selbstgemachte Maultaschen. Nie!)

Heute bin ich davon etwas abgerückt. Weniger weil der Ofen inzwischen satte 260° drauf hat und ich einen Pizzastein benutze. Eher eigentlich, weil der Italiener um die Ecke etwas schwächelt (qualitativ) oder masslos übertreibt (preislich). Da nutzt jetzt kein Jammern, das ist so. Und warum das so ist, hat Sarah Khan in der Süddeutschen recht plausibel erklärt – Das Miststückchen Wochenendbeilage 9./10.10.2010).

Aber ist das auch der Grund, warum ‘Ristorante’ in Deutschland im Jahr 20 Millionen Stück Tiefkühlpizza Salame verkauft (und die Deutschen die wahrscheinlich auch ratzeputz aufessen)? Ist es der Preis? Sind die Dinger vielleicht sogar lecker? (Ich muss gestehen, dass ich noch keine gegessen habe; mein Sohn hat manchmal auswärts die Ehre und hat mich gewarnt. Es geht doch nichts über den Generationenvertrag.)

Ich für meinen Teil hab Vorurteile, das gebe ich zu. Aber es gibt auch Leute, die das Kleingedruckte auf den Packungen lesen können (wegen der Augen) und verstehen können (wegen der grauen Zellen – beides nimmt bei mir rasant ab) – und die machen mir nicht mehr Mut. Im Gegenteil. Aber ich bin ja beileibe kein Gesundheitsapostel; wie sollte ich auch: ich rauche, trinke, esse Fleisch. Fürsorgliche Menschen beteuern, all das sei nicht gesund! Und trotzdem will ich keine Tiefkühlpizza essen (müssen); ich glaube einfach nicht, dass es schmeckt und ich habe Angst. Angst davor, dass es die paar Zutaten, die ich brauche, bald gar nicht mehr gibt, weil alle anderen ja zufrieden sind. Und es lohnt sich natürlich nicht, Olivenöl einzufliegen, Tomaten zu pflanzen, Oregano zu trocknen – nur für mich!

Woher nur kommt diese Zufriedenheit? Am Ende ist es wahrscheinlich doch der Preis (schon gesehen für €0,89) oder die Mühsal des Pizzateigs (und der fehlenden Geling-Garantie) oder die mangelnde Zeit (man muss ja sogar den Kaffee im Gehen trinken) oder was weiss denn ich. Eigentlich wollte ich jetzt noch ein paar Links einbauen, wo man im Netz den besten Pizza-Teig (mit Geling-Garantie?) findet, wo’s Pizzasteine gibt oder wie man sich im Baumarkt Schamottsteine besorgt. Aber ich fürchte, dafür bin ich jetzt zu deprimiert. Woher nur kommt diese Zufriedenheit …

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Quellen

 Regionale Esskultur Lüneburger Heide